Wasserkraft

 Hermes/Indien: Schaltanlage Wasserkraftwerk Tehri Umweltschutz mit nackten Füßen 

Die Bundesregierung hat eine Hermes-Deckung für die Lieferung einer Schaltanlage zur Anbindung des Wasserkraftwerks Tehri in Indien an das lokale Verbundnetz grundsätzlich zugesagt. Es handelt sich um eine hocheffiziente, umweltfreundliche Anlage, die eine energiesparende Verteilung des in dem Wasserkraftwerk erzeugten Stroms in das Verbundnetz gewährleistet. Sie ist technisch Teil des Verbundnetzes und dem Wasserkraftwerk baulich, funktional und in der zeitlichen Realisierung nachgelagert. Dementsprechend erfolgte die Ausschreibung der Schaltanlage unabhängig von der Auftragsvergabe für das Kraftwerk.

Bei dem Wasserkraftwerk selbst handelt es sich um ein indisch/russisches Projekt, das sich seit 1994 im Bau befindet und bereits weitgehend fertig gestellt ist. Auch die Begleitmaßnahmen wie z.B. die Umsiedlung der betroffenen Bevölkerung wurden bereits im wesentlichen abgeschlossen. Insofern bestand im Zusammenhang mit der Lieferung der Schaltanlage keine Möglichkeit mehr, auf die Ausgestaltung des Dammprojekts Einfluss zu nehmen.

Das Geschäft ist von erheblicher Bedeutung für die deutsch - indischen Wirtschaftsbeziehungen. Es gewährleistet die Versorgungssicherheit des von Stromausfällen und Versorgungsengpässen betroffenen Großraums Neu Delhi sowie des Staates Uttar Pradesh. Gleichzeitig festigt es die Position deutscher Ausrüster von energiesparenden Anlagen in der Region. Es unterstreicht die Bedeutung des Standorts Deutschland für hochtechnisierte, umweltfreundliche Energieübertragung und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Sicherung von Arbeitsplätzen.

 Diese Forderung der Weltbank ist eine Bestätigung für Medha Patkar und all die Frauen, die seit Jahren mit Aufsehen erregenden Fußmärschen über Hunderte von Kilometern gegen den Bau der Staudämme entlang des Narmada-Flusses demonstriert haben. Dabei geht es den Frauen nicht nur um den Schutz der Umwelt, sie kämpfen auch um den Erhalt ihrer Lebensgrundlage. Die indische Regierung hält weiter an dem Großprojekt fest, das die Weltbank bereits vor sechs Jahren aufgegeben hat. Viele der geplanten - zum Teil schon gebauten - 30 großen, 135 mittleren und 3.000 kleinen Staudämme sind weder sozial- noch umweltverträglich. Rund 250 Dörfer in den Unionsstaaten Madhya Pradesh, Gujarat und Maharashtra sollen überflutet, mehr als 200.000 Menschen heimatlos werden, die meisten Ureinwohner oder Angehörige der unteren Kasten. Sie werden nicht von den Narmada-Staudämmen profitieren. Sie befürchten, weder Geld noch gleichwertiges Ersatzland zu bekommen. Vor 15 Jahren passierte in Bhopal, der Hauptstadt von Madhya Pradesh, auf dem Gelände des US-Chemiegiganten Union Carbide ein Giftgasunglück. Unfallopfer, die überlebt haben, sind immer noch nicht voll entschädigt worden.

Mehr als 400 Millionen Inder müssen mit weniger als zwei Mark am Tag auskommen. In vielen Dörfern leben 70 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Trotz harter Arbeit haben sie nicht genug zu essen, kein sauberes Trinkwasser und keinen Zugang zu Schulen und Gesundheitsstationen. Vor allem die Adivasis und die »Unberührbaren«, die Dalits, gehören zu den wirtschaftlich und sozial stark Benachteiligten. terre des hommes organisiert Vorschulen, finanziert Gesundheitsdienste und hilft dort, wo Adivasis ihre Wälder gegen Abholzung und Zuwanderung schützen wollen, mit juristischem Rat. Auch viele Dalits, von Gandhi »Kinder Gottes« genannt, brauchen Rechtsberatung. Oftmals werden sie als Lohnsklaven schikaniert, gedemütigt. Den »Unberührbaren« überlassen die Kastenangehörigen die Drecksarbeiten, die mit Blut, Tod, Leder und Fäkalien zu tun haben. Nach der Wirbelsturmkatastrophe in Orissa mussten sich Dalits um die Beseitigung der Tierkadaver kümmern.