Landwirtschaft

Mehr als zwei Drittel der indischen Bevölkerung leben vom Landbau. Die Landwirtschaft trägt etwa 35 Prozent zum Bruttosozialprodukt bei. Die meisten Höfe sind sehr klein; im Landesdurchschnitt beträgt die Größe 2,6 Hektar. Ein Drittel der Höfe gilt als zu klein, um eine Familie zu ernähren. Gemessen an der Anbaufläche ist Reis das wichtigste Produkt; Reis ist auch das Hauptnahrungsmittel weiter Kreise der indischen Bevölkerung. Neben Reis wird vor allem Weizen angebaut; Indien gehört aber auch zu den weltgrößten Produzenten von Zuckerrohr, Tee, Baumwolle und Jute. Zu den weiteren wichtigen Anbauprodukten gehörten Kaffee, Gemüse, Melonen, Sorghum, Hirse, Mais, Gerste, Kichererbsen, Bananen, Mangos, Gummi, Leinsamen, Erdnüsse und verschiedene Gewürze.
Die Viehzucht, insbesondere von Büffeln, Pferden und Eseln, ist für die Landwirtschaft von großer Bedeutung. Büffel, Pferde und Esel werden insbesondere als Lasttiere eingesetzt. Vor allem in Nordindien wird die religiöse Hinduvorschrift des Vegetarismus beachtet. Die knappen Weideflächen und Wasservorräte haben dazu geführt, dass indisches Vieh meist schlecht ernährt ist. Die 72 Millionen Büffel des Landes werden vor allem in den Deltaregionen gezüchtet. In den Trockengebieten des Punjab und Rajasthans gehören Kamele (1,4 Millionen) zu den wichtigsten Lasttieren. Schafe (52 Millionen) und Ziegen (105 Millionen) werden hauptsächlich wegen der Wolle gezüchtet.
Obwohl in der Landwirtschaft größtenteils immer noch auf traditionelle Methoden zurückgegriffen wird, konnte man seit der Unabhängigkeit einen Trend zum Einsatz von Agrartechnologien feststellen. Das staatlich finanzierte System der Bewässerungskanäle wurde erheblich erweitert; zudem wurden die von Brunnen bewässerten Gebiete stark vergrößert. Etwa 45 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche werden künstlich bewässert. Der Bedarf an chemischen Düngemitteln und ertragreichem Saatgut ist insbesondere in der Folge der groß angelegten "Grünen Revolution" der sechziger und Anfang der siebziger Jahre beträchtlich gestiegen. Profitiert haben davon vor allem die reicheren Bauern in den Weizenanbaugebieten wie in Uttar Pradesh und im Punjab.
Forstwirtschaft und Fischerei
Indien ist zu etwa 23 Prozent bewaldet. Die Forstwirtschaft ist jedoch nicht besonders entwickelt und beschränkt sich größtenteils auf die nördlichen Hochländer, Assam und die an den Himalaya grenzenden Gebiete. Die Wälder werden jedoch zur Gewinnung von Brennholz und Holzkohle - die für die meisten Inder wichtigsten Energiequellen - sowie zur Ernte wertvoller Früchte, Nüsse, Fasern, Öle, Gummi und Harze genutzt.
Obwohl der Fischfang größtenteils kommerziell nicht entwickelt ist, spielt er regional, etwa im Ganges-Delta in Bengalen und an der Südwestküste, eine wichtige Rolle. In den letzten Jahren hat der Staat die Entwicklung der Hochseefischerei gefördert, indem Fischfabriken gebaut und eine hochseetüchtige Fischereiflotte unterstützt wurden. Große Fangmengen werden vor allem bei Sardinen, Garnelen, Makrelen und Anchovis erzielt. Zu den wichtigsten Fischereistaaten gehören Kerala, Tamil Nadu und Maharashtra; sie sind allein für etwa die Hälfte der nationalen Fangmenge verantwortlich. Mittlerweile hat sich in einigen Regionen die Überfischung zu einem Problem entwickelt.