Bangladore : Stadt der Zukunft,
Stadt der Hoffnung
Bangalore, die Hauptstadt des Bundesstaates
Karnataka, hat viele Gesichter: Es ist das Silicon-Valley Indiens
- Computer- und Luftfahrtindustrie haben für einen beispiellosen
Boom gesorgt. Bangalore lockt mit attraktiven Jobs in den Industrien,
den Universitäten und Forschungsinstituten und mit hoher
Lebensqualität: Die »Gartenstadt Indiens« mit
ihren schönen Parks und Gärten bietet vielfältige
Kulturereignisse, das Klima ist mild, wer Geld hat, kann alles
kaufen. Sogar im »Guiness-Buch der Rekorde« findet
sich Bangalore: Das größte Spielzeuggeschäft
der Welt liegt an der Straße zum Flughafen und lockt die
Kunden mit tanzenden Mickey-Mäusen.
Indiens erster Ministerpräsident Nehru nannte Bangalore
die »Stadt der Zukunft«, und das scheint eine weise
Prophezeiung. Allerdings gilt sie nicht nur für den Glanz
der Stadt, sondern auch für ihre Probleme. Wie in anderen
indischen Großstädten ist in Bangalore der Müll
zum Problem geworden, und der Verkehr droht die »Gartenstadt«
zu ersticken.
Die Armen der Stadt - etwa eine Million
Menschen leben in den 400 Slums - haben genau hier ihre Arbeitsplätze:
Tausende sammeln alles Verwertbare aus Mülltonnen und -kippen
und verkaufen es an Händler. Straßenkinder halten
Parkplätze frei, bewachen Autos und verkaufen Zeitungen
und Erfrischungen an die Leute im Dauerstau. Auch für sie
ist Bangalore die Stadt der Hoffnung und manchmal auch konkreter
Verbesserung: Wer aus einem Dorf ohne Stromanschluss kommt, der
hat jetzt elektrisches Licht. Wer sein Wasser mühsam aus
Brunnen zog, freut sich über einen Wasserhahn für 500
Menschen. Und der Weg zum Doktor, ins Kino oder in eine Schule
ist aus jedem Slum kürzer als aus den meisten Dörfern.
Ebenso wichtig: Stadtluft macht frei. Denn hier sind Landlose
und Unberührbare sicherer vor den Schikanen von Großgrundbesitzern
und ihren Schergen. Dank des großen Mittelstandes ist Bangalore
auch die Stadt der Bürgerinitiativen, der Sozial- und Umweltaktivisten,
die sich lautstark in die Debatten um Müll und Verkehr,
Armut und Rechtlosigkeit und die Atompolitik Indiens einmischen.
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Erfolgreiche Computerboys
Kaum einer von ihnen wird Azim Premji
und Narayana Murthy kennen. Anders als Mahatma
Gandhi und Jawaharlal Nehru sind Indiens Helden von heute
keine Politiker mit Visionen, sondern pragmatische junge Unternehmer
der Softwareindustrie. Murthy, Direktor des Technologieriesen
Infosys Technologies, profitierte ebenso wie der erfolgreiche
Azim Premji von dem Börsenboom. Der Chef des Mischkonzerns
Wipro, der zunächst Backfett und
Shampoo produzierte, zählt heute zu den fünf reichsten
Männer der Welt. Beide sprechen fließend Englisch,
die Sprache der Computerwelt. Englisch ist in Indien nach Hindi
- und neben 17 weiteren Sprachen - eine der Amtssprachen. In
diese »weiße Industrie« wird große Hoffnung
gesetzt. Mittlerweile sind dort 280.000 hoch qualifizierte Softwareingenieure
beschäftigt, fast acht Milliarden Mark haben sie 1999 erwirtschaftet.
Eine Branche mit Zukunft; unter anderem auch, weil sie trotz
schlechter und verstopfter Straßen funktioniert. Und weil
sie weitgehend unabhängig ist von der staatlichen Elektrizitätsversorgung
mit ihren chronischen Stromausfällen. Für die Textilindustrie,
verantwortlich für 20 Prozent der gesamten Industrieproduktion,
sind diese Ausfälle ein Problem, sie beeinträchtigen
die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt. Die Landwirtschaft,
in der rund 60 Prozent der Erwerbstätigen beschäftigt
sind, ist darüber hinaus abhängig vom rechtzeitigen
Eintreffen des Monsuns. Ob jedoch die Softwareindustrie der Motor
sein kann, eine halbe Milliarde Inder aus der Armut zu holen
und den Anschluss Indiens an die erfolgreichen asiatischen Nationen
möglich zu machen, ist fraglich. Der Boom im Technologiebereich
und auf politischer Ebene die Demonstrationen der Stärke
- mit der Atomtest-Reihe 1998 katapultierte sich Indien in den
Klub der Nuklearkräfte - dürfen nicht darüber
hinweg täuschen, dass in zahlreichen Dörfern auf dem
Lande keine Entwicklung stattgefunden hat. Die »Grüne
Revolution« zum Beispiel begünstigte allein reiche
Bauern, denn Hochertragssorten benötigen gute Böden,
ausreichend Bewässerung und Dünger. Für die Mehrheit
der Kleinbauern, der Landlosen und Landarbeiter haben sich die
Lebensbedingungen nicht verbessert.
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