Umwelt- und Politik

 Umweltschutz

In Indien gibt es eine starke Natur- und Umweltschutzbewegung, die sich mit beträchtlichem Erfolg gegen die Zerstörung der Lebensräume von Tieren und Pflanzen durch die wachsende Industrialisierung und das rasche Bevölkerungswachstum einsetzt. Zu den erfolgreichen Umweltschützern gehören die Tree Huggers, die gegen die Abholzung der Baumbestände im Himalaya kämpfen. Zudem haben sie das Silent Valley Project in Kerala gestoppt - ein gewaltiges Wasserkraftwerksprojekt, das den Lebensraum einzigartiger Arten zerstört hätte - und erst kürzlich nach einer langen und erbitterten Auseinandersetzung das große Narmada Dam Project in Madhya Pradesh und Gujerat zu Fall gebracht. An einer anderen Front ist es Umweltschutzgruppen gelungen, das Tehri Project zu verzögern, bei dem der Bau von Dämmen in einer äußerst erdbebengefährdeten Zone im Himalaya geplant ist.

Das schwierige Geschäft der Politik

Indien ist und bleibt ein Land der Herausforderung. Ein Staat, der formal gesehen die größte Demokratie der Welt ist, die meiste Zeit seit der Unabhängigkeit vor knapp 53 Jahren jedoch von einer Partei regiert wurde, dem Kongress. Eine Art Familienunternehmen: Jawaharlal Nehru, seine Tochter Indira Gandhi, deren Sohn Rajiv Gandhi waren Ministerpräsidenten. Im letzten Jahre bemühte sich Rajivs Witwe Sonia Gandhi vergeblich um die Gunst der Wähler. 1999 standen zum dritten Mal in drei Jahren Wahlen an. Der amtierende Premierminister Atal Behari Vajpayee von der hindu-nationalistischen Bharatiya Janata Partei (BJP) konnte bei den Parlamentswahlen seine Macht sichern. Nun steht er vor einem Berg wirtschaftlicher Probleme, für eine neue »Phase der Reformen« fehlt das Geld. Denn als Resultat des Kargil-Krieges (Himalaja), der schwersten militärischen Konfrontation beider Staaten seit dem indisch-pakistanischen Krieg 1971, wurde eine Erhöhung des Verteidigungshaushaltes beschlossen. Indien will besser für Grenzkonflikte mit Pakistan gerüstet sein - und entschiedener muslimische Separatisten bekämpfen.Spannungen an der Grenze zwischen dem indischen und dem pakistanischen Teil des ehemaligen Fürstenstaates Kaschmir gibt es seit der Unabhängigkeit von Großbritannien 1947. Um einen Konflikt zwischen Hindus und Muslimen vorzubeugen, wurde der Subkontinent damals in die Länder Indien und Pakistan aufgespalten. Doch Kaschmir kommt nicht zur Ruhe, die auf indischer Seite lebenden Muslime kämpfen für einen eigenen Staat oder den Anschluss an Pakistan. Die Konsequenz Indiens, die massive Aufrüstung, hat zur Konsequenz, dass wieder Mittel fehlen, um ein breit angelegtes Bildungsprogramm für Millionen zu finanzieren. Die Kluft zwischen den Armen, der aufstrebenden Mittelschicht und den Industriellen und Großaktionären wird immer größer. »Vielleicht lässt sich Indiens holprige Fahrt in die Moderne leichter verstehen und besser einordnen, wenn wir Indien als ein Modell für typische globale Strukturprobleme wahrnehmen - der große Abstand zwischen Arm und Reich, die tiefe Kluft zwischen Analphabeten und die verheerenden ökologischen Folgen der Industrialisierung sind keine typisch indischen Probleme, sondern stellen sich als Herausforderungen für die gesamte Menschheit dar. Vielleicht ermöglicht uns diese Sichtweise, auf die politischen und sozialen Unzulänglichkeiten Indiens statt mit Arroganz und Fatalismus mit größerem Verständnis zu reagieren als bisher«, raten Martin Fritz und Martin Kämpchen. Recht haben sie, die Autoren des Buches »Krishna, Rikscha, Internet«. Das uralte Kulturland und die eine Milliarde Menschen verdienen eine differenzierte Betrachtungsweise. Und wer sich ernsthaft mit Kinderrechten beschäftigt, kann trotz der Schlagzeilen vom »Computerinder« die Augen nicht vor dem Alltag der Teppich knüpfenden Jungen und Mädchen und dem Überlebenskampf der Straßenkinder verschließen.