Bei Ausbruch des 2. Weltkrieges
forderten die Kongresspartei und Gandhi eine klare Formulierung
der Kriegsziele und der damit verbundenen Konsequenzen für
Indien. Als Reaktion auf die unbefriedigende Antwort der Briten
beschloss die Partei, Großbritannien im Krieg nicht zu unterstützen,
wenn Indien nicht sofort die völlige Unabhängigkeit
erhielte. Die Briten wiesen diese Forderungen zurück und
boten Kompromisslösungen an, die wiederum von den Indern
abgelehnt wurden. 1942 wurde Gandhi interniert, zwei Jahre später
jedoch wegen seines schlechten Gesundheitszustands wieder freigelassen.
1944 trat der indische Unabhängigkeitskampf in seine entscheidende
Phase: Die britische Regierung hatte eingewilligt, die Unabhängigkeit
unter der Voraussetzung zu gewähren, dass die beiden rivalisierenden
Nationalbewegungen, die Muslimliga und die Kongresspartei, ihre
Meinungsverschiedenheiten beilegten. Obgleich Gandhi strikt gegen
eine Teilung Indiens war, lenkte er letzten Endes ein, in der
Hoffnung, dass die Erfüllung der Forderung der Muslime nach
einem eigenen Staat zur Erhaltung des Friedens beitragen würde.
Somit entstanden 1947 die beiden unabhängigen Staaten Indien
und Pakistan. Während der Unruhen, die nach der Teilung Indiens
ausbrachen, appellierte Gandhi an Hindus und Muslime, friedlich
zusammenzuleben. Eine Welle der Gewalt erfasste auch Kalkutta,
eine der größten Städte Indiens, und Gandhi fastete,
bis sich die Unruhen legten. Am 30. Januar 1948 wurde Gandhi auf
dem Weg zu seiner abendlichen Gebetsversammlung von Nathuram Godse,
einem fanatischen Hindu, ermordet. Am 30. Januar 1997, 49 Jahre
nach Ghandis Tod, wurde auf Beschluss des obersten Gerichts von
Indien ein letzter Rest der Asche Ghandis, die seit 1950 in der
indischen Staatsbank aufbewahrt worden war, in den Ganges gestreut.